Teil 1 Chronologie von den Anfängen bis 1985
© Manfred Kraus
1878 Gründung eines Kaufbeurer Schlittschuhclubs.
1890 Bau des Eisplatzes im Jordanpark.
1929 bis 1935 Existenz eines dem Eiskunstlauf zugewandten Eissportvereins Kaufbeuren.
Januar 1946 In der schweren Nachkriegszeit gründen gut zwei Dutzend junge Burschen im Gasthof Engel in der Schmiedgasse den auf das Eishockey ausgerichteten Eissportverein Kaufbeuren. Georg Leitner wird erster Vereinsvorstand.
Februar 1946 Bei den ersten Spielen der Vereinsgeschichte tritt der ESV Kaufbeuren auf dem Faulenbacher See (3:3) und auf dem Eisweiher im Jordanpark (3:3) gegen die Jugendmeistermannschaft des EV Füssen an. Zur dritten Partie fährt die Mannschaft nach Oberstdorf.
November 1946 Antrag auf die Zulassung zum Ligenbetrieb.
1947 Der ESVK nimmt seine Wettbewerbsspiele in der Kreisliga auf.
Winter 1947/48 Der erste Besuch eines ausländischen Teams in Kaufbeuren ist gleichbedeutend mit dem ersten internationalen Freundschaftsspiel in Deutschland nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg. Der kleine EHC Belp aus dem Kanton Bern kommt ins Allgäu. Man trennt sich friedlich 5:5 unentschieden und feiert nach dem Spiel gemeinsam bis in den Morgen. Am Vortag aber haben die Gäste und Gastgeber noch Schnee miteinander geräumt. Gegen Mitternacht. Bei strenger Kälte. Denn es hat kräftig geschneit im Allgäu.
1950 Erfolge stellen sich ein. Schwäbischer Kreisligameister.
1952 Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse (Landesliga).
1952 Aufschüttung des Geländes und Bau von Holztribünen am Natureisplatz vor dem Gefängnis.
1955 Schwäbischer Landesligameister vor dem EC Oberstdorf, dem TSV Sonthofen und dem ERV Augsburg.
1956 Bayerischer Landesligameister und nach Erfolgen gegen den TSV Holzkirchen, den TSV Sonthofen und die HG Nürnberg erstmaliger Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse (Oberliga) als Zweiter der Aufstiegsgruppe Süd hinter dem Mannheimer ERC. Die Partien in Holzkirchen (9:2) und gegen Sonthofen (5:3) muss die Kaufbeurer Mannschaft einschließlich der Busheimfahrt zwischen den Spielen an ein und demselben Tag bestreiten.
1958 Nur die jeweils vier Erstplatzierten der Oberliga Süd und der Oberliga Nord qualifizieren sich für die neugegründete Bundesliga, weshalb der ESVK in der nun zweitklassigen Oberliga verbleibt. Den Verein führt Vorstand Adam Paul Krekel.
Oktober 1958 Festliche Einweihung des Kunsteisstadions (rund 5000 Plätze auf Holztribünen) mit dem Freundschaftsspiel ESV Kaufbeuren gegen den EV Innsbruck (6:3). Der Innsbrucker Schmid erzielt das erste Tor im neuen Stadion. Fredl Hynek markiert den ersten Kaufbeurer Treffer. Dreizehn Tage später steigt das Länderspiel Bundesrepublik Deutschland gegen Schweiz (3:9). Der Umstieg vom Natureis aufs Kunsteis mit dessen Unabhängigkeit vom Wetter kommt einem Quantensprung für den Kaufbeurer Trainings- und Spielbetrieb gleich.
1958/59 Erstmaliger Aufstieg in die 1958 gegründete Bundesliga als Vizemeister der nun zweitklassigen Oberliga hinter dem VfL Bad Nauheim. Der legendäre Zefixsturm aus Fredl Hynek, Reinhold Rief und Georg Scholz mischt die Oberliga auf. Jo Scholz gelingen beim 16:3 gegen den EV Landshut sieben Tore. Seine Reihe trifft vierzehnmal.
1959/60 Als Bundesligaschlusslicht muss der ESVK in die Relegation gegen den Oberligameister TuS Eintracht Dortmund, an dem die Allgäuer scheitern.
1960/61 Mit seinem neuen Spielertrainer Xaver Unsinn gewinnt der ESV Kaufbeuren mit 35:1 Punkten die deutsche Oberligameisterschaft und schafft nach Siegen in der Relegation gegen den Bundesligaletzten VfL Bad Nauheim (10:1 und 6:2) den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga. In den achtzehn Partien machen Fredl Hynek 34 und Reinhold Rief 28 Tore.
Sechziger Blütejahre Unter der sechsjährigen Regie des 1960 im Tausch mit Georg Scholz aus Füssen gekommenen Spielertrainers und Trainers Xarre Unsinn mischt der ESVK in der Bundesliga kräftig im Konzert der Großen mit und belegt zweimal den vierten (1964 und 1965), zweimal den fünften (1962 und 1966) sowie einmal den sechsten Platz (1963).
1961/62 Manfred Hubner, Alfred Lutzenberger und Wolfgang Boos (debütiert in der ersten Mannschaft mit fünfzehn) schlagen als atemberaubender Fohlensturm in der Bundesliga groß ein und werden alsbald auch als Nationalmannschaftsblock zum Prunkstück der Kaufbeurer Offensive.
Februar 1963 Der aus der CSSR geflüchtete Jiri Kren gibt sein aufsehenerregendes Debüt. Der Exiltschechoslowake begeistert beim Sieg gegen den Mannheimer ERC (4:2). Er ist der erste ausländische Spieler im Dress des ESVK.
Februar 1963 Internationale Freundschaftsspiele sind das hochgeschätzte Salz in der Eishockeysuppe. Im Winter 1963 reist der ESVK in die Schweiz und holt beim EHC Arosa (13:3), beim EHC Chur (15:1) und beim HC Davos (6:4) drei Siege. In Kaufbeuren gelingt gegen Kamraterna Kiruna aus dem hohen schwedischen Norden ein vielbeachtetes 4:4.
Januar 1965 Spartak Prag gastiert in Kaufbeuren. Ein Eishockeyleckerbissen. Gegen die weltberühmte Mannschaft aus der Goldenen Stadt aber ist kein Kraut gewachsen. Mit 18:1 fegt das Team um Pavel Wohl, Rudolf Sindelar und Rudolf Hejtmanek über den ESVK hinweg. Reinhold Rief trifft mit einem Penalty zum zwischenzeitlichen 1:10. Immerhin.
1965/66 Der ESVK liefert sich mit dem alles überragenden deutschen Serienmeister EV Füssen lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Bundesligaspitze, rückt dem EVF mit zwischenzeitlichen 21:3 Punkten mächtig auf den Pelz und wird schließlich Vorrundenzweiter. Nach einem Unentschieden (5:5) am Kobelhang schlagen die Rotgelben den großen Allgäuer Bruder in der Meisterrunde erstmals (4:2) und verhelfen damit dem EC Bad Tölz zur deutschen Meisterschaft.
Januar 1966 Feuerwerkskörper zischen in den Nachthimmel, Sitzkissen fliegen durch die Luft, im Siegestaumel liegen sich wildfremde Menschen in den Armen. Geschafft. Es ist endlich geschafft. Der Bann ist gebrochen, der langersehnte Tag gekommen, der Jubel grenzenlos. Die Spieler hüpfen über das Eis und führen Freudentänze auf. Unter den Augen des beeindruckten Nationaltrainers Ed Reigle besiegt der ESVK zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte den EV Füssen, das Nonplusultra des deutschen Eishockeys. Heinz Geiger, Herbert Stowasser und zweimal Mandi Hubner treffen für den ESVK. Das Kaufbeurer Eigengewächs wird mit 26 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga.
1966/67 Der ESV Kaufbeuren ist zu einer Hochburg des deutschen Eishockeys geworden. Die Klasse der Kaufbeurer Spieler aber weckt die Begehrlichkeiten der Konkurrenz. Auch im Sommer 1966 ist der Aderlass groß. Zu groß. Ein Bruch in der hoffnungsvollen Entwicklung ist unvermeidlich. Der rotgelbe Höhenflug endet jäh. Der ESVK rutscht in der Vorrundentabelle ab und scheitert in der Relegation Süd, wo der FC Bayern München und die SG Oberstdorf/Sonthofen an ihm vorbeiziehen.
1968/69 Der deutsche Oberligameister ESV Kaufbeuren verpasst in der Relegation den Sprung in die Bundesliga, rückt aber nach der Auflösung der nur drei Jahre existierenden Eishockeyabteilung des FC Bayern München doch ins Oberhaus auf.
September 1969 Feierliche Einweihung der überdachten Eishalle am Berliner Platz (Kapazität 6300 Zuschauer) mit dem Bundesligaspiel ESV Kaufbeuren gegen Augsburger EV (6:5) vor wahrscheinlich mehr als 8000 Besuchern. Das erste Tore gelingt Augsburgs Jozef Capla. Manfred Hubner besorgt den ersten Kaufbeurer Treffer. Am 9. Dezember 1969 folgt das Länderspiel Bundesrepublik Deutschland gegen Jugoslawien (7:0).
1969/70 In der nach drei Jahren wieder eingleisigen Bundesliga geht der ESVK als Zehnter in die Relegation, wo er mit dem Spitzenplatz und 27:5 Punkten souverän die Klasse hält. Verteidiger Florian Strida gibt als zweiter ausländischer Spieler im rotgelben Trikot ein einjähriges Gastspiel an der Wertach. Trainer ist der berühmte Füssener Markus Egen.
Siebziger Jahre Der ESVK pendelt als Fahrstuhlmannschaft zwischen der Ersten und Zweiten Bundesliga.
1970 Zum bewährten Hans Kerpf stößt aus dem Nachwuchs der blutjunge Torwart Erich Weishaupt, um zu einem der allergrößten Keeper, die das Torhüterland Deutschland jemals hervorgebracht hat, heranzureifen. Der ihm 1976 bei der Weltmeisterschaft verliehene Beiname „Zar von Moskau“ spricht Bände.
1971 Talentschmiede Kaufbeuren – begleitet von einem nicht enden wollenden Auto- und Buskonvoi, holen die von Fredl Hynek trainierten und von Luggi Schuster betreuten Junioren durch ein dramatisches 2:2 im letzten und allesentscheidenden Spiel beim Vize SC Riessersee mit 16:4 Punkten erstmals die deutsche Juniorenmeisterschaft an die Wertach. Es folgen weitere Titel in den Jahren 1985, 1988 und 1991. Auch in den anderen Altersklassen sammelt der ESVK im Laufe seiner Geschichte zahlreiche bayerische und deutsche Nachwuchsmeisterschaften.
1973 Nach vier Bundesligajahren am Stück steigt der ESVK mit dem EV Rosenheim in die neugegründete Zweite Bundesliga ab.
1973/74 Überlegener Gewinn der deutschen Zweitligameisterschaft mit 57:15 Punkten. Sofortiger Wiederaufstieg in die Bundesliga. Neben Dauerbrennern wie Georg Scholz, Alfred Lutzenberger, Peter Ustorf, Manfred Hubner, Rudi Uhrle und Gerhard Schuster wirbelt der schussgewaltige Kanadier Bobby Riess mit seiner langen Mähne.
1974/75 Der Aufsteiger aus dem Allgäu ist der Bundesliga nicht gewachsen und steigt ab.
Dezember 1975 Der Schwede Kaj Nilsson erzielt in der Zweiten Bundesliga gegen den Duisburger SC Kaiserberg (14:3) an der Seite von Georg Scholz sieben seiner fünfzig Punktspieltore. Auf Duisburger Seite trifft Bobby Riess dreimal. Wegen eines Beinbruchs war er 1974 nicht nach Kaufbeuren zurückgekehrt, um sich im Jahr darauf dem DSC anzuschließen.
Februar 1976 Ein Wertachderby für die Geschichtsbücher – mehr als 8000 Zuschauer (darunter dreitausend Augsburger Schlachtenbummler) lassen den brodelnden Hexenkessel im Jordanpark fast aus allen Nähten platzen. Als sich der Tabellenzweite ESV Kaufbeuren trotz hoffnungsloser Rückstände von 0:5 nach dem ersten Drittel und 1:7 zur Spielhälfte noch auf 7:8 an den Spitzenreiter Augsburger EV herankämpft, hebt die knisternde Spannung dem Berliner Platz beinahe das Hallendach. Es herrscht eine gewaltige Atmosphäre.
Olympische Winterspiele 1976 Vier Spieler, die in Kaufbeuren groß geworden sind, erringen mit der Nationalmannschaft in Innsbruck unter der Anleitung von Bundestrainer Xaver Unsinn sensationell die olympische Bronzemedaille: Erich Weishaupt, Stefan Metz, Wolfgang Boos, Walter Köberle. Die zunächst enttäuschte Mannschaft ist nach dem abschließenden 4:1 gegen die USA bereits auf dem Weg in die Kabine, als sich herausstellt, dass der Torquotient bei Punktgleichheit zählt. Dieser ist um 0,041 Tore besser als jener der Finnen, die sich schon über Bronze gefreut haben.
Siebziger Jahre Der Füssener Thurn-und-Taxis-Pokal ist nicht nur eine begehrte Trophäe, sondern auch eine willkommene Saisonvorbereitung für international hochkarätige Mannschaften wie ZKL Brünn, Spartak Moskau, Slovan Pressburg und Tesla Pardubitz. Wiederholt ist auch der benachbarte ESV Kaufbeuren mit dabei. Schon 1955 von seiner Durchlaucht Prinz Raphael von Thurn und Taxis gestiftet, zeugt er vom Sommereis am Kobelhang, das ab etwa 1949 für lange Zeit ein bedeutender Standortvorteil des EVF gegenüber seiner Konkurrenz gewesen ist.
1976/77 Deutscher Zweitligameister mit 61:23 Punkten, allerdings aus wirtschaftlicher Vorsicht und Zurückhaltung Verzicht auf den Aufstieg in die Bundesliga, den der Tabellenzweite EC Deilinghofen wahrnimmt.
1978 Gründung einer Kaufbeurer Damenmannschaft, die ab 1983 für längere Zeit erfolgreich in der Bundesliga Süd antritt.
Siebziger und achtziger Jahre Immer wieder tauchen zu internationalen Freundschaftsspielen am Berliner Platz klapprige tschechoslowakische Busse auf, denen Eishockeygrößen wie Bohuslav Ebermann entsteigen, um mit ihren Mannschaften technisch geprägtes Eishockey zu zelebrieren und dann wieder hinter dem Eisernen Vorhang zu verschwinden.
Jahreswechsel 1979/80 Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Helsinki landet Didi Hegen auf dem dritten Platz der Scorerliste – mit nur einem Punkt Rückstand auf Wladimir Krutow und Jari Kurri und sogar noch vor Hakan Loob, Dusan Pasek und Igor Larionow.
1979/80 Unter der umsichtigen Regie von Trainer Ernst Trautwein unangefochtener deutscher Zweitligameister mit 73:15 Punkten und 353:165 Toren. Glänzender Aufsteiger in die Bundesliga. Dem Kanadier Kenneth Brown gelingen in 44 Spielen 100 Meisterschaftstore und 58 Assists. Didi Hegen schlägt mit Urgewalt ein und schafft als Siebzehnjähriger 60 Tore und 64 Beihilfen. Die erste Reihe mit Ken Brown, Adam Brown und Didi Hegen macht 204 Tore. Das Tor hüten der blutjunge Gerhard Hegen und Routinier Robert Merkle. Reihenweise schießt der ESVK seine Gegner aus der Halle. Den Herner EV mit 18:1.
1980 bis 1997 Abgesehen von einer zweijährigen Unterbrechung (1989 bis 1991) durchgängige Kaufbeurer Erstklassigkeit.
Goldene Achtziger Binnen acht Jahren zieht der ESV Kaufbeuren zweimal ins Halbfinale (1984 und 1985) und sechsmal ins Viertelfinale der Bundesliga (1981, 1982, 1983, 1986, 1987 und 1988) ein. Famose Einzelkönner verleihen dem Kaufbeurer Spiel Glanz. Als ganz großer Trumpf des ESVK erweist sich aber die mannschaftliche Geschlossenheit des weitgehend aus Kaufbeurern und Allgäuern bestehenden Teams. Spieler vom Schlag eines Beppo Riefler werden zum Synonym für den David von der Wertach, der den Goliaths des Landes das Fürchten lehrt.
Jahreswechsel 1980/81 Die Weltmeisterschaft der Junioren gastiert in Kaufbeuren, Füssen, Kempten, Oberstdorf, Landsberg und Augsburg. Den ESVK vertreten Rainer Lutz, Robert Hammerle und Didi Hegen, der zum Torschützenkönig und Topscorer eines Turniers avanciert, das Spieler wie den Schweden Patrik Sundström und den Russen Andrej Khomutow erlebt. Mit seiner Leistung zieht Didi Hegen die Aufmerksamkeit der National Hockey League (NHL) auf sich. Er wird von den Montreal Canadiens beim Entry Draft 1981 an sechsundvierzigster Stelle ausgewählt, wechselt aber nie nach Nordamerika.
1980/81 Bundesliganeuling ESVK zieht unter der Trainerägide des kanadischen Haudegens Mike Daski auf Anhieb ins Viertelfinale der erstmals im Play-off-Modus ausgespielten deutschen Meisterschaft ein. Das achtzehnjährige Kaufbeurer Jahrhunderttalent Didi Hegen wird mit 54 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Abwehrstratege Mike Zettel stellt mit 46 Assists den noch heute gültigen Kaufbeurer Bundesligarekord für Torbeihilfen auf. Mit dem torhungrigen Raubein Bill Lochead kommt die NHL an den Berliner Platz.
1981 Die Bundesliga wird vom Passfälscherskandal erschüttert. Vor allem der Duisburger SC setzt Ausländer mit gefälschten deutschen Papieren ein, um die Begrenzung auf zwei Spieler mit fremder Nationalität zu umgehen. Auch der Kölner EC, der Berliner SC, die Düsseldorfer EG und in erheblichem Maß der Zweitligist EHC Essen sind in den Skandal verwickelt. Das bereits gespielte Viertelfinale wird komplett annulliert, die Tabelle neu geordnet und die erste Runde frisch angesetzt. Im zweiten Versuch trifft der ESVK nun auf die DEG, nachdem man zuvor gegen den kommenden Meister SC Riessersee gespielt hat.
1981 Vorstand Sepp Pflügl und sein Eissportverein Kaufbeuren lotsen nach intensiven Verhandlungen mit Prago Sport dank ausgezeichneter Kontakte nach Pardubitz für vier Jahre die beiden tschechoslowakischen Weltklassestürmer Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny durch den Eisernen Vorhang ins Allgäu. Mit ihnen kommt Trainerlegende Florian Strida nach Kaufbeuren. Wegen Bohuslav Stastnys Knöchelbruch während der Saisonvorbereitung stößt vorübergehend auch dessen weltberühmter Landsmann Jan Suchy zum ESVK.
Januar 1982 Am vereinseigenen Eisstadion am Berliner Platz bricht ein Teil des Hallendachs ein. Zwei Bundesligaheimspiele finden in Füssen und Landsberg statt. Der ESVK wird Sechster und zieht im Best-of-three-Viertelfinale mit 3:6, 7:4 und 1:3 gegen den Mannheimer ERC knapp den Kürzeren.
Um 1982 Wachablösung im Allgäu – der ESVK wird dauerhaft erste Kraft vor dem lange Zeit über allem thronenden sechzehnfachen deutschen Rekordmeister EV Füssen.
August 1982 Der ESVK empfängt zu einem Freundschaftsspiel (0:15) den mit der sowjetischen Sbornaja weitgehend identischen ZSKA Moskau, die wohl beste Vereinsmannschaft aller Zeiten. Im Team von Trainer Wiktor Tichonow stehen auch Wladislaw Tretjak, Wjatscheslaw Fetissow und Sergej Makarow, die zur Jahrtausendwende ins weltweite IIHF Centennial All-Star-Team des 20. Jahrhunderts gewählt werden.
1983/84 Der ESVK wird Hauptrundensechster und schließt in Gruppe B die quasi als Viertelfinale angesetzte Gruppenphase mit 8:4 Punkten gleichauf mit dem Kölner EC ab. Im Best-of-five-Halbfinale stehen die Allgäuer nach einem 7:2 in Landshut und einem 5:1 am Berliner Platz nur noch einen Sieg vor dem sensationellen Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft, scheiden aber unter höchst fragwürdigen Umständen doch noch gegen den Titelverteidiger aus Niederbayern aus. Fassungslosigkeit steht am Ende einer phantastischen Saison. Florian Strida wird Trainer des Jahres, Dieter Medicus punktbester Verteidiger der Bundesliga.
1984/85 Mit dem Gewinn der Viertelfinalserie gegen den EV Landshut und dem damit verbundenen neuerlichen Einzug ins Halbfinale der Bundesliga gelingt dem Kaufbeurer Eishockey unter den Jubelstürmen des hingerissenen Publikums erneut ein überwältigender Erfolg, auch wenn die folgende Vorschlussrunde an den Sportbund Rosenheim geht. Die Junioren setzen der Traumsaison mit dem deutschen Meistertitel (mit 24:4 Zählern punktgleich mit der Düsseldorfer EG) das Sahnehäubchen auf.
Februar 1985 Der Berliner Platz ist voll bis unter die Decke und als die Rotgelben auf 4:1 erhöhen, brechen alle Dämme. Mehr als siebentausend Menschen liegen sich in den Armen. Sie hüpfen, jubeln, singen. Ihrem ESVK gelingt abermals der ganz große Wurf. Er besiegt den Erzrivalen aus Landshut und zieht erneut ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft ein. Die überfüllte Halle bebt. Stürmisch fordert das begeisterte Publikum Ehrenrunde um Ehrenrunde. Das kleine gallische Dorf Kaufbeuren steht kopf. Sein ESVK holt die Viertelfinalserie mit 3:4, 4:1, 8:5, 4:2 ins Allgäu und vertreibt in einem Kampf auf Biegen und Brechen die bösen Geister des Vorjahres.
April 1985 Die vier aktuellen ESVK-Spieler Manfred Schuster, Dieter Medicus, Horst Heckelsmüller und Didi Hegen, allesamt Kaufbeurer Eigengewächse, schreiben mit der Nationalmannschaft Geschichte. Im 56. Länderspiel gegen die Sowjetunion, dem Maß aller Dinge im Welteishockey, gelingt in München erstmals ein Unentschieden (3:3).
Kaufbeurer Stadtmauer Die bemerkenswerten Erfolge des ESVK sind untrennbar mit zwei großen Persönlichkeiten auf und neben dem Eis verbunden – Kapitän Manfred Schuster und Dieter Medicus, die Bundestrainer Xaver Unsinn als „Kaufbeurer Stadtmauer“ adelt. Sie sind Schlüsselfiguren im Gesamtgefüge des Allgäuer Bundesligisten. Schon ihre Väter Luggi Schuster und Fritz Medicus waren unverzichtbare Protagonisten des Kaufbeurer Eishockeys.
Mitte der Achtziger Wenn der Winter Einzug hält im Allgäu, kann der an zwei Seiten offene Berliner Platz ein Eiskeller sein. Dann wird Eishockey zum Härtetest und es kommt die Zeit der langen Unterhosen. Auch für die Hartgesottenen. Stellt doch strenger Frost keine Seltenheit dar. Mitte der Achtziger verharrt das Quecksilber bei einem Gastspiel des Sportbunds Rosenheim gar auf klirrenden minus neunundzwanzig Grad. Im Inneren aber lodert rotgelbes Feuer.
© Zusammenstellung Manfred Kraus, Apfeltrach
Die vorliegende Chronologie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie ist ein von persönlichen Schwerpunktsetzungen geprägter Rückblick, bei dem über die Zahlen und Fakten hinaus auch die Rahmenbedingungen für den Werdegang des Eissportvereins Kaufbeuren angedeutet werden sollen.
Das Foto aus dem Archiv von Reinhold Rief stammt vom 9. Dezember 1961, als der Aufsteiger ESV Kaufbeuren in der Bundesliga den Krefelder EV vor 5000 begeisterten Zuschauern mit 8:3 vom Eis fegte. Mehr als tausend Besucher mussten unverrichteter Dinge wieder heimgehen. Von rechts Kapitän Fredl Hynek, Reinhold Rief, Joseph Machenschalk und Xaver Unsinn, der mit dem ESVK zwei Jahre als Spielertrainer und vier Jahre als Trainer in der Bundesliga groß auftrumpfte.

